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Moulagensammlung der Rostocker Hautklinik

Allgemein
BezeichnungMoulagensammlung der Rostocker Hautklinik
UniversitätUniversität Rostock
UniversitätsortRostock
Museums- und SammlungsartMedizin
Museums- und SammlungsformLehrsammlung
SammlungsschwerpunktDermatologie · Humanmedizin · Medizin
Externe Links
AdresseUniversität Rostock
Universitätsmedizin
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Strempelstraße 13
18057 Rostock
ÖffnungszeitenNach Vereinbarung
KontaktProf. Steffen Emmert
steffen.emmert@uni-rostock.de
Telefon: +49 (0) 381 494 9701
BeschreibungSeit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitete sich in Europa die Moulagentechnik. Wesentliche Triebkraft für das Entstehen von Moulagensammlungen war das Defizit an Demonstrationsobjekten für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Sie sollten dabei als Ergänzung einer genauen Beschreibung des Krankheitsbildes dienen. Im Unterschied zu Wachsmodellen sind Moulagen in Größe, Form und Farbe naturnahe, dreidimensionale Nachbildungen von krankhaft veränderten, verletzten oder fehlgebildeten Körperteilen. Sie sind unmittelbar am Patienten mit Hilfe von Gips abgeformt. Nach dem Aushärten der Negativform wird diese mit Wachs ausgegossen und danach die Oberfläche farblich gestaltet. Dabei muss der gesamte Herstellungsprozess innerhalb kürzester Zeit stattfinden, da auch die farbliche Wiedergabe im Beisein des Patienten geschehen sollte. Zudem wurden die meisten Moulagen noch mit Körperbeharrung ergänzt, um die Lebensnähe zu realisieren.

Der Begründer der Rostocker Hautklinik, Maximilian Wolters, begann um 1908/09 mit dem Aufbau der Moulagensammlung mit rund 300 Objekten, die unter seinen Nachfolgern Walter Frieboes und Ernst Heinrich Brill bis 1940 auf 2.000 oder 3.000 Moulagen erweitert wurde. Mouleure an der Hautklinik Rostock waren Auguste Kaltschmidt bis 1935, Anna Marie Brochier 1935 und Kurt Krug bis 1940. Am 24. April 1944 wurde der Hauptteil der Sammlung durch einen Bombenangriff zerstört.

Die heutige Sammlung umfasst noch einen Bestand von 32 Moulagen aus Rostocker Herstellung. Der zweite Moulagen-Bestand von 138 Wachsmodellen wurde am Dresdner Hygiene-Museum nach 1945 hergestellt. Dieser kam hauptsächlich durch Überlassungen bzw. Schenkungen in die Sammlung. Einen anderen Bestand bildet die Tafelsammlung mit Moulagenabbildungen auf 96 Tafeln aus der Entstehungszeit der Rostocker Moulagen. Auch diese Sammlung wurde im Laufe des Krieges durch Bombenzerstörungen erheblich dezimiert.

Die Moulagen aus Rostocker Herstellung wurden 2017 von der Restauratorin Johanna Lang konservatorisch begutachtet und 2018 gereinigt oder restauriert. Der Moulagen-Bestand aus Dresdner Herstellung wurde von ihr ebenfalls begutachtet.

Die Moulagen aus Rostocker Herstellung und die Tafeln werden heute in einem 2018 neu gefertigten Moulagenschrank ausgestellt. Die Moulagen aus Dresdner Herstellung werden in einem im gleichen Jahr neu angeschafften Magazin in der Hautklinik aufbewahrt.

Moulagen aus Rostocker Herstellung befinden sich heute zudem in den Sammlungen in Wien (Narrenturm Wien), Hamburg (Medizinhistorisches Museum), Rostock (Anatomische Sammlung) und Dresden (Deutsches Hygiene-Museum Dresden). 
Stand der InformationenMärz 2022
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungDie Sammlung ist vollständig dokumentiert, inventarisiert und digitalisiert. 
Bedeutende Teilbestände
  • Moulagen aus Rostocker Herstellung
  • Moulagen vom Hygiene-Museum Dresden
  • Tafelsammlung mit Moulagenabbildungen
  
Geschichte
Ereignisse
  • Zwischen 1908 und 1909 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteMit der Gründung der Universitätshautklinik in Rostock im Jahr 1902 wurde ein Lehrstuhl für Dermatologie und Syphiligrafie eingerichtet, der mit Maximilian Wolters (1861-1914), berufen aus Bonn, besetzt wurde. Rostock war damit die neunte Universität Deutschlands, die einen Lehrstuhl in diesem Fach erhielt.

Wolters hatte von Beginn an mit Moulagen aus eigener Erfahrung lehren wollen, er musste jedoch wegen mangelnder finanzieller Mittel auf sie verzichten. Er stellte jedoch als Lehrmittel Tafeln mit Moulagenabbildungen verschiedener Atlanten her, die mit den Jahren zu einer Sammlung anwuchs. Im Jahr 1909 beschaffte Wolters Moulagen von Otto Vogelbacher (1869-1943), 1910 von den Mouleuren A. Tempelhof und Dr. Bucky (Lebensdaten unbekannt). Die klinikeigene Herstellung der Moulagen übernahm die seit 1907 angestellte Lichtheilwärterin Auguste Kaltschmidt (geb. 1873, gest. nach 1935). Kaltschmidt bediente nicht nur Röntgen- und Lichtapparate, sondern zeichnete auch histopathologische Bilder für Wolters` Forschungen. Wegen ihres Talentes begann sie auf Wolters Initiative hin im Jahr 1908 erste Moulagen abzuformen. Er schickte sie 1909 an die Kölner Hautklinik, um von der dortigen Sammlung Kopien abzuformen. Auf der Tagung der norddeutschen Dermatologen in Rostock im Jahr 1912 wurden ihre Moulagen gezeigt und sehr wahrscheinlich anerkannt. Sie stellte noch bis 1913 in Rostock Moulagen her, ging dann aber an die Bonner Hautklinik.

Wolters` Nachfolger Walter Frieboes (1880-1945), ehemaliger Assistent in Rostock und berufen aus Bonn, holte Kaltschmidt 1916 an die Rostocker Hautklinik unter besonderen Konditionen zurück. Kaltschmidt stellte bis zur ihrem Ruhestand 1935 als nunmehr angestellte Mouleurin mit Gehalt eines Arztes in einem eigenen Atelier im poliklinischen Gebäude Moulagen her. Sie fertigte zudem Fotografien von Patienten und farbige Zeichnungen histopathologischer Aufnahmen her. Auch die Tafelsammlung wurde von Frieboes weiter geführt.

Frieboes` Nachfolger Ernst Heinrich Brill (1892-1945), zum Oktober 1933 aus Jena berufen, hielt am Moulagenhandwerk fest. Er selbst kannte in Jena keine Moulagensammlung und brachte vermutlich schon aus dieser Zeit seine private Tafelsammlung mit Moulagenabbildungen mit, die er bis mindestens 1934 erweiterte. Auf die Stelle der Mouleurin folgte die Nürnberger Künstlerin Ana Marie Brochier (geb. 1897, gest. nach 1939), die jedoch nur wenige Monate auf der Stelle blieb. Auf ihre Stelle folgte der gelernte Laborassistent Kurt Krug (geb. 1911, gest. nach 1945). Wie Kaltschmidt stellte er neue Moulagen oder Kopien veralteter Moulagen her. Er begann 1940 Medizin zu studieren. Die Stelle des Mouleurs wurde daraufhin nicht mehr nachbesetzt.

Die Moulagensammlung wuchs über die Jahre hinweg immer weiter an. Waren sie zu Beginn noch in der Poliklinik in einem Moulagenraum untergebracht, wurden die weiteren Moulagen in Moulagenschränken auf dem Flur der Poliklinik und weiter in einem Bretterverschlag vermutlich im Dachgeschoss der Hautklinik wie in einem Magazin dicht zusammengefasst. Dieses Magazin wurde 1931 mit dem Bezug eines 50 qm großen Raumes auf der von der Chirurgischen Klinik frei geräumten neuen Männerstation im Universitätskrankenhaus sehr wahrscheinlich in Schränken aufgestellt. Mit der Kriegszerstörung der Poliklinik im April 1942 wurde sehr wahrscheinlich bereits ein erster kleinerer Teil der Moulagensammlung zerstört. Die Hauptsammlung wurde in die Nervenklinik nach Rostock-Gehlsheim verlegt, jedoch nicht an einem kriegssicheren Ort ausgelagert. Am 22. Februar 1944 wurde auch der Ausweichstandort von Kriegsbomben getroffen und zerstört. Vermutlich aus den Trümmern wurde ein Teil der heutigen noch existierenden Moulagen geborgen.

Die Moulagensammlung wurde für den Studentenunterricht in den Vorlesungen als Anschauungsmaterial verwendet, aber auch für Fortbildungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, organisiert durch die Hautklinik, oder in der hygienischen Lehrerbildung, organisiert durch das Institut für Hygiene. Die Tafeln begleiteten die Moulagen z.B. indem sie epidaskopisch im Hörsaal vergrößert an der Wand gezeigt werden konnten, während die Moulagen herumgereicht wurden. Einige Rostocker Kliniken, wie vermutlich die Gynäkologie, die Chirurgie oder die Hals-Nasen-Ohrenklinik, entliehen Moulagen oder baten um Abformungen eigener Patientinnen und Patienten. Kopien Rostocker Moulagen wurden an die Hautkliniken in Hamburg und Wien und an die Moulagenwerkstatt des Hygiene-Museums Dresden geliefert. Eine Rostocker Moulage wurde nach 1945 von der Werkstatt weiter kopiert und verkauft. Rostocker Moulagen wurden in Wanderausstellungen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Jahr 1920 ausgestellt oder in einer anderen Ausstellung zur Gesundheitserziehung bei Berufskrankheiten im Jahr 1936. Frieboes veröffentliche die Rostocker Moulagen Atlanten in den Jahren 1924, 1928 und 1930. Brill hatte selbst vor, Moulagen zu veröffentlichen. Im Atlas von Karl Zieler, einer Sammlung von Moulagenabbildungen zahlreicher bekannter Mouleure, wurden Rostocker Moulagen ab der 4. Auflage von 1937 veröffentlicht. Kaltschmidt war die einzige Frau unter diesen Mouleuren.

Sigrid Wulff (1920-1948), Doktorandin an der Rostocker Hautklinik, schrieb im Jahr 1945 in ihrer Klinikgeschichte über die Sammlung, dass sie sich: „zu einer der wissenschaftlich bedeutendsten und hervorragendsten Sammlung innerhalb des dermatologischen Fachgebietes entwickelte.“ (S. 52). Werner Schulze (1903-1976), Direktor der Rostocker Hautklinik (1952-1958) schrieb im Jahr 1955 in seiner Klinikgeschichte über die Sammlung: „Eine der besten Moulagensammlungen, die es in Deutschland gab (…).“ (S. 86).

Das Moulagenhandwerk wurde nach dem 2. Weltkrieg in Rostock nicht wieder aufgenommen, allerdings wurden die restlichen Moulagen und Tafeln sehr wahrscheinlich weiter für die Lehre eingesetzt. So konnten z.B. alle Stadien der Syphilis sowohl mit Moulagen als auch mit Tafeln gezeigt werden. Die Hautklinik erwarb sehr wahrscheinlich in den 1950er Jahren sechs Hauttuberkulose-Moulagen des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden (DHM), um die Sammlung nosologisch zu ergänzen. Die Herstellung von farbigen Dias wie schwarz weißen Fotoplatten ging dagegen weiter und eine neue Foto- und Diasammlung wurde systematisch aufgebaut. Vermutlich in den 1960er Jahren verloren die Moulagen ihre Bedeutung für die Lehre und sie wurde in der Hautklinik eingelagert. Die alleinigen Lehrmittel waren jetzt das Diapositiv und die Folie mit entsprechenden Vergrößerungsapparaten. Anfang der 1980er Jahre wurden die Moulagen von Helmut Heise und Regina Zimmermann wiederentdeckt und erstmalig wurde ich medizinhistorischer Wert herausgestellt. Sie dokumentierten den Bestand, stellten einen Ausstellungstext her und ließen 16 Moulagen Mitte der 1980er Jahre am DHM durch Gerhard Siemiatkowski restaurieren, die nach heutigen Maßstäben eine Umgestaltung bedeutete. Ab den 1990er Jahren übernahm die Hautklinik DHM-Moulagen vermutlich nur vom Institut für Medizinische Mikrobiologie. Dieser Bestand zählte 2002 78 Objekte und wurde um 2014 nochmal um 16 Objekte ergänzt. Ende 2017 kam ein weiterer Bestand von 48 DHM-Moulagen als Schenkung von der Seefahrthochschule Rostock-Warnemünde in die Sammlung. Eine Moulage aus diesem Bestand wurde bereits in 1920er Jahren hergestellt. 
  
Publikationen
Publikationen
  
Modelle
Moulage, Aktinomycose (Wange), 17x17 cm
Moulage, Aktinomycose (Wange), 17x17 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen
Moulage, Aktinomycose bei einem Müller (Hals/Kinn), 34x26 cm
Moulage, Aktinomycose bei einem Müller (Hals/Kinn), 34x26 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen
Moulage, Allergisches Kinderekzem (Gesicht), 34x25,5 cm
Moulage, Allergisches Kinderekzem (Gesicht), 34x25,5 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen
Moulage, Artefakt mit Leukoplakia (Unterlippe) [Kaltschmidt], 11x15 cm
Moulage, Artefakt mit Leukoplakia (Unterlippe) [Kaltschmidt], 11x15 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen
Moulage, Blennorrhoea gonorrhoica neonatorum (Augen), 34x26 cm
Moulage, Blennorrhoea gonorrhoica neonatorum (Augen), 34x26 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen
Moulage, Bösartiges Haemangiom (Nase), 17x17 cm
Moulage, Bösartiges Haemangiom (Nase), 17x17 cm
Modelle von Lebewesen und biologischen Systemen

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