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Anatomische Sammlung - Museum anatomicum Jenense

Allgemein
Bezeichnung
Name
Anatomische Sammlung - Museum anatomicum Jenense
Universität
University
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Universitätsort
Location of University
Jena
Museums- und Sammlungsart
Type of Museum or Collection
Medizin
Museums- und Sammlungsform
Form of Museum or Collection
Lehrsammlung
Sammlungsschwerpunkt
Disciplinary Focus of Collection
Anatomie · Anthropologie · Medizin · Medizingeschichte · Osteologie
Externe Links
External Links
Adresse
Address
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Anatomie
Teichgraben 7
07743 Jena 
Öffnungszeiten
Opening Hours
Nach Vereinbarung 
Kontakt
Contact
Dr. Rosemarie Fröber (Prosektor)
Rosemarie.Froeber@mti.uni-jena.de
Telefon: +49 (0) 3641 938520
Fax: +49 (0) 3641 938512
Beschreibung
Description
Die anatomische Sammlung gehört medizingeschichtlich wie kulturhistorisch zu den wertvollsten Sammlungen der Universität. Sie blickt heute auf eine etwa 200jährige Tradition zurück.
Das Museum anatomicum Jenense beherbergt die anatomische Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, ein Sammelsurium medizinischer Präparierkunst: Schädel, Skelette, Totenmasken, Moulagen und Hunderte von Präparaten fast aller Körperteile des Menschen. Hier findet man kunstvoll aufgearbeitete Sammlungsgegenstände wie Injektionspräparate, Kinderskelette und Gehörwerkzeuge. Osteologische Präparate zeigen fehlerhafte vorgeburtliche Entwicklungen, ungewöhnliche Frakturen, Buckelbildungen und durch Rachitis oder Knochenerweichung bedingte Formveränderungen. Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Schädelsammlung mit Wachtumsvarianten und pathologischen Schädelformen. Die Nebeneinanderstellung von Malayen-, Amerikaner-, Afrikaner-, Chinesen- und Europäerschädeln erinnert an die Zeit Blumenbachs und seine Darstellung der Menschenvarietäten. Zeitzeugen des historisch alten Versuches, den Charakter des Menschen an seinem Äußeren zu erkennen, sind die Sammlungsobjekte zur Gallschen Schädeltheorie. Andere Sammlungsobjekte, wie die aus der Sammlung der Gebrüder Schlagintweit, gehen auf Schenkungen von Freunden und Gönnern zurück. Sehr eindrucksvoll sind auch die Präparate und Wachsplatten-Rekonstruktionsmodelle zur vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen.

Website der Sammlung 
Sonstiges
Other
Ein Besuch der anatomischen Sammlung ist im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen für mittleres medizinisches Personal und für Schüler der oberen Gymnasialstufen (Leistungskurs Biologie) möglich. Für medizinisches Personal besteht darüber hinaus die Möglichkeit, an Demonstrationen ausgewählter Präparate teilzunehmen.
Führungen durch die anatomische Sammlung werden vorzugsweise mittwochs und freitags von Mitarbeitern der Prosektur (Frau Freund, Frau Müller bzw. Frau Raab) für Gruppen (maximal 20 Personen) durchgeführt. Für alle Veranstaltungen ist eine rechtzeitige Anmeldung (Tel. 03641/ 938524) erforderlich.
Führungen für derzeitige und ehemalige Studenten, sowie für Angehörige und Gäste der Universität können bei Frau Dr. Fröber (03641 / 938520) angemeldet werden. 
Stand der Informationen
Last Update
April 2009
  
Bestände
Objektgruppen
Object Groups
Bedeutende Teilbestände
(Significant) Subcollections
  • Sammlung der Gebrüder Schlagintweit
  • Sammlung von Wachsplatten-Rekonstruktionsmodellen zur vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen
  
Geschichte
Ereignisse
Events
  • 1858 (vermutlich) Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
Persons
Geschichte
History
Keimzelle der anatomischen Sammlung ist das im ausgehenden 18. Jahrhundert entstandene Herzogliche Museum, das in 11 Zimmern des Jenaer Stadtschlosses zum Nutzen und Gebrauch der Jenaischen Hohen Schule aufgestellt war. Dieses so genannte "Carl-August-Museum" ging aus der Herzoglich-Sächsischen Kunst- und Naturalienkammer, welche im Jahre 1779 aus dem "rothen Schlosse" in Weimar nach Jena verlegt worden war, und dem Naturalien-Kabinett eines universell Gelehrten der Jenaer Universität, Johann Ernst Immanuel Walch (1725-1778), hervor. Es war der damals herrschenden Anschauung von den drei Reichen der Natur in ein botanisches, ein zoologisches und ein mineralogisches Kabinett gegliedert. Die Gründung geht auf den damaligen, naturwissenschaftlich interessierten Landesherren Carl August (1757-1828) und seinen Geheimen Rat Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sowie den Leibarzt des Herzogs und Professor für Anatomie und Chirurgie in Jena, Justus Christian Loder (1753-1832), welchem die Oberaufsicht über das Museum übertragen wurde, zurück.

Professoren, die damals Anatomie lehrten, demonstrierten ihre Sammlungsgegenstände den Studenten und gebildeten Laien als Mittel der Belehrung und Ergötzung. Öffentliche Schaubühne war das neue "Anatomische Theater", welches im Jahre 1750 auf dem "Rondel am südwestlichen Eck der Stadtmauer" errichtet wurde.

Auch Loder legte sich eine anatomische Sammlung zu, die in den 25 Jahren seines Wirkens auf über 4.000 Objekte anwuchs. Als er Jena im Jahre 1803 verließ und seine Sammlung mitnahm, sorgten der Herzog, vor allem aber sein Staatsminister Goethe für eine neue Sammlung und verhalfen so der Anatomie zu neuem Leben. Aus Resten der Loder'schen Sammlung und Stücken des "Carl-August-Museums" sowie durch Ankauf privater Sammlungen wurde im Jahre 1804 das anatomische Kabinett neu begründet und als anatomisches Museum eingerichtet. Es durfte von der Universität genutzt werden, unterstand aber als herzogliche Einrichtung einer staatlichen Oberaufsichtsbehörde und musste bei Abgang eines Professors in Jena verbleiben.

Im Jahre 1858 wurde das "Anatomische Theater", das in zunehmendem Maße auch für studentische Präparierübungen genutzt wurde, aus dem Rundgebäude der Stadtmauer in das bis dahin als Bibliothek genutzte, zum Collegium Jenense gehörige Gebäude verlegt. Auch die Sammlungsobjekte, die sich im Jenaer Schloss befanden, wurden in dem neuen Anatomiegebäude untergebracht. Das betrifft das 1804 gegründete anatomische Kabinett sowie zweier weiterer Sammlungen: das 1808 gegründete osteologisch-zoologische Kabinett und das zootomischen Kabinett, welches mit der Gründung der Veterinärschule im Jahre 1816 entstanden war. Die drei Kabinette bildeten in dem bis heute genutzten Anatomiegebäude die Säulen einer für die Lehre deskriptiver und vergleichender Anatomie hochgeschätzten anthropotomisch-zootomischen Sammlung.

Über mehrere Generationen wurden Sammlungsobjekte zusammengetragen, doch der Wert der Sammlung veränderte sich mit dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die rasanten Fortschritte, die die normale und pathologische Anatomie bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert vor allem auf mikroskopischem Gebiet erfuhren, ließen das Interesse an den Sammlungen allmählich schwinden. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde sie noch intensiv für wissenschaftliche Arbeiten genutzt; dann folgte die Hinwendung der anatomischen Forschung zur Histochemie und Ultrastruktur, was eine bedauerliche Rückentwicklung zur Folge hatte. Große Teile der Sammlung zur vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere wurden an das Phyletische Museum übergeben. In der Jenaer Anatomie verblieben mit wenigen Ausnahmen nur diejenigen Sammlungsgegenstände, die für die Wissensvermittlung der Anatomie des Menschen benötigt wurden. Sie sind heute in den historisch ältesten Räumen der Gründungsstätte der Universität, hervorgegangen aus dem Refektorium eines ehemaligen Dominikanerklosters, welches schon im 13. Jahrhundert von den Herren von der Leuchtenburg erbaut worden war und 1525 aufgelöst wurde, untergebracht. Das in zwei Schiffe geteilte gotische Gewölbe der heutigen Sammlungsräume beherbergte zunächst drei Jahrhunderte lang Pulte und Regale mit den Schätzen der Jenaer Universitätsbibliothek, deren Grundstock die ehemals kurfürstliche Bibliothek zu Wittenberg bildete. Im Jahre 1994 wurde mit der Restaurierung dieser unter Denkmalschutz stehenden Räume und der darin befindlichen Sammlung begonnen. Historische Sammlungsschränke aus dem 19. Jahrhundert wurden wieder in standgesetzt und vorhandene Porträtbüsten restauriert. Darüber hinaus wurden die alten, handschriftlich verfassten Sammlungsverzeichnisse, die bis in die Goethezeit zurückreichen, zur Sammlung zurückgeführt. Eine ebenfalls restaurierte Wappentafel, die seit über 100 Jahren das Eingangsportal der Sammlung ziert, erinnert an den großen Mediziner, Werner Rolfinck (1599-1673), der die ersten öffentlichen Leichensektionen in Jena durchführte. Aus Anlass der im März 1996 in Jena tagenden 91. Versammlung der Anatomischen Gesellschaft wurde die anatomische Sammlung neu eröffnet. Sie gliedert sich, ihrem heutigen Charakter und Verwendungszweck entsprechend, in eine anatomische Lehrsammlung und das "Museum anatomicum Jenense". Die Lehrsammlung wird im "Rolfinck-Saal" in neuen Vitrinen nach Organsystemen gegliedert zur Ansicht gebracht. Sie besteht vor allem aus in Konservierungslösung aufbewahrten Organen und Körperteilen des Menschen sowie Präparate zur normalen und gestörten vorgeburtlichen Entwicklung. Im "Goethe-Saal" sind die musealen Sammlungsobjekte in historischen Sammlungsvitrinen aufgestellt. Das betrifft ausgewählte Stücke der Skelett- und Schädelsammlung, Trockenpräparate, Wachsplatten-Rekonstruktionsmodelle und andere beeindruckende Zeitzeugen der Sammlungsgeschichte.

Webseite der Sammlung 
  
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