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Botanischer Garten

Allgemein
BezeichnungBotanischer Garten
UniversitätAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
UniversitätsortFreiburg (Breisgau)
Museums- und SammlungsartNaturgeschichte/Naturkunde
Museums- und SammlungsformBotanischer Garten/Arboretum
SammlungsschwerpunktBiologie · Botanik
Externe Links
AdresseAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
Botanischer Garten
Schänzlestraße 1
79104 Freiburg (Breisgau)
ÖffnungszeitenFreiland: Mo-So 8 - 18 Uhr
Gewächshäuser: Di, Do, So 14 - 16 Uhr 
KontaktDr. Friederike Gallenmüller
fgallenmueller@biologie.uni-freiburg.de
Telefon: +49 (0) 761 203 2879
Fax: +49 (0) 761 203 2880
BeschreibungDer Botanische Garten der Universität Freiburg steht Studierenden und Professoren, Schülern und Lehrern sowie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Pflanzenbestand von heute rund 8.000 Arten sowie der umfangreiche Samentausch mit über 350 Botanischen Gärten in aller Welt wird seit 1986 mittels eines vom Botanischen Garten Freiburg speziell für Botanische Gärten entwickelten und seither immer weiter ausgebauten Datenverarbeitungssystems verwaltet. Mit diesem Freiburger System (DIDEA-FR) arbeiten inzwischen über 25 Botanische Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Eine weitere zentrale Aufgabe des Gartens besteht darin, Studierenden im Grund- und Hauptstudium an der Fakultät für Biologie in den Gebieten der systematischen Botanik, Evolutionsbiologie und Paläobotanik ständig zur Verfügung zu stehen. Die derzeitigen Schwerpunkte der Forschung im Botanischen Garten liegen in den Bereichen Fossile Floren des Karbons im Schwarzwald, Funktionsmorphologie und Biomechanik lebender und fossiler Pflanzen sowie Geschichte der Botanik, insbesondere der Gärten, und der vielfältigen Verflechtungen zwischen Wissenschafts-, Kultur- und Kunstgeschichte im Mittelalter und in der Renaissance. 
SonstigesZahlreiche Führungen zu jeder Jahreszeit; Informationsbroschüren zu den verschiedenen Bereichen des Botanischen Gartens 
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungDie Bestände des Botanischen Gartens der Universität Freiburg werden über eine interne Objektdatenbank elektronisch erfasst; diese wird fortlaufend aktualisiert. Die Erfassung der Sammlungen in den Schaugewächshäusern soll bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein. (Stand: Juli 2009) 
Bedeutende Teilbestände
  • Erhaltungssammlung von 500 heimischen gefährdeten Arten
  • Farnpflanzen der Tropen und Subtropen, gegr. 1974
  • Gehölze der arktotertiären Flora: Schwerpunkte Nordamerika, Ostasien, Koniferen; gegr. 1912
  • Gehölze des mediterranen Australiens, gegr. 1996
  • Gehölze des Mittelmeergebietes, gegr. 1974
  • Tropische Nutzpflanzen
  • Wasserpflanzen: Rote-Liste-Arten; gegr. 1974
  • Weinbergbegleitflora: Rote-Liste-Arten; gegr. 1980
  • Weinsorten: besonders in Baden und Württemberg angebaute Sorten; gegr. 1980
  • Ziergehölze der Subtropen
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1620 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteIm Jahre 1620 wurde der Freiburger Botanische Garten in der nördlichen Vorstadt Neuburg angelegt. Auf dem durch die Universität angekauften Gelände befand sich zudem ein Gebäude, welches in der Folgezeit als Krankenhaus für Universitätsangehörige und als Anatomisches Theater zur Durchführung von Lehrsektionen genutzt wurde. Erster Direktor des Botanischen Gartens war der Professor der Medizinischen Fakultät Jacobus Walter (geb. 1655), der zugleich für die Lehre in der Botanik verantwortlich war. Wenige Jahre nach seiner Gründung fiel der Garten jedoch dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer.
Erst einige Jahrzehnte später konnte ein neuer Botanischer Garten angelegt werden. Zu diesem Zweck erwarb die Universität im Jahre 1766 den Privatgarten des verstorbenen Bürgermeisters Kraysser, welcher aus einem Gemüsegärtchen, einem großen Obstgarten, einer Wiese und einem Gartenhaus bestand. Das ca. 2,7 ha große Gelände zeichnete sich durch eine günstige, wassernahe Lage sowie durch fruchtbaren Boden aus. Der erste Direktor des zweiten Botanischen Gartens war der Professor der Medizin, Botanik und Chemie Franz Joseph Lambert Baader (1723-1773). Bei der Anlage des Gartens orientierte sich Baader am "Systema sexuale" des damals führenden Botanikers Carl von Linné (1707-1778). Zweck der Anlage war, wie schon beim ersten Garten, die Veranschaulichung des medizinischen Unterrichts, sodass der Schwerpunkt auf der Anzucht von Heilkräutern lag. Als Baader sich 1768 von der botanischen Lehre zurückzog und sich ganz der praktischen Medizin widmete, übernahm sein Nachfolger Franz Joseph Lipp (1734-1775) den Lehrstuhl für Botanik und Chemie und damit zugleich die Leitung des Botanischen Gartens. Unter Lipps Direktorat entwickelte sich der Garten und nahm Gestalt an; bereits im Jahre 1770 verfügte er über ca. 800 Pflanzenarten, von denen die meisten vom Direktor selbst bei Exkursionen gesammelt worden waren. Aufgrund seines außerordentlichen Engagements bei der Gestaltung der Anlage gilt Lipp als der eigentliche Begründer des Freiburger Botanischen Gartens.
Als Lipp 1775 starb, wurde Franz Ignaz Menzinger (1745-1830) als sein Nachfolger berufen. Als Professor für Botanik und Chemie oblag ihm der Unterricht in diesen Fächern sowie zusätzlich in Zoologie, Mineralogie und Pharmazie. Außerdem war er für das Mineralienkabinett und die Leitung des Botanischen Gartens zuständig. Der Botanische Garten wurde allerdings teilweise verpachtet, da er bereits bei Menzingers Amtsantritt seitens der Universität als zu groß und zu kostspielig angesehen wurde. Im Jahre 1791 wurde schließlich ein Teil des Geländes an den Müller Balthasar Fuchs verkauft. Ein Teil des Erlöses wurde u.a. zur Errichtung eines Mehrzweckgebäudes verwendet, welches zur Unterbringung der Gärtnerwohnung, eines Gewächshauses, von Sammlungen, eines Samenraumes und des Arbeitszimmers des Direktors diente. Durch Menzingers Bemühungen und seine guten Kontakte schuf er einen Pflanzenbestand von ca. 2.000 Arten. Zudem initiierte er die Anlage eines Arboretums. Während der Besetzung Freiburgs durch französische und österreichische Truppen sowie durch Hochwasser wurde der Garten zwischen 1796 und 1803 schwer beschädigt. Die Tatsache, dass Freiburg 1805 an Baden ging, wirkte sich auf die weitere Entwicklung des Botanischen Gartens wiederum äußerst positiv auf. Der botanisch und gärtnerisch interessierte letzte Kapitelkanzler der Malteser in Heitersheim Joseph Albrecht von Ittner (1754-1825) wurde zum Kurator der Universität ernannt. Er setzte sich sehr für den Garten ein, besorgte wertvolles Pflanzenmaterial, u.a. von Carl Christian Gmelin (1762-1837) aus Karlsruhe.
Bis zum Amtsantritt von Carl Julius Perleb (1794-1845) 1826 blieb der Garten in seiner Funktion eine Lehreinrichtung für angehende Ärzte und Apotheker. In den folgenden zwanzig Jahren änderte sich das grundlegend. Der Garten wurde durch das Engagement Perlebs eine ernstzunehmende (natur-)wissenschaftliche Institution. Perleb erhielt für die Instandhaltung und den Ausbau des Gartens zusätzliche Geldmittel. Perleb ersetzte das „künstliche“ System von Linné durch die „natürliche Ordnung“ der Pflanzen. So wurden die Pflanzen dem „neuen“ wissenschaftlichen System nach geordnet. Bereits 1828 hatte der Garten 3.300 verschiedene Pflanzenarten (1826 waren es circa 2.000). Er begann damit, sich am Samentausch, auch über die Landesgrenzen hinweg, zu beteiligen.
Perlebs Nachfolger Fridolin Karl Leopold Spenner (1798-1841) kam wieder aus der Medizinischen Fakultät, führte aber die naturwissenschaftliche Systematik fort. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Garten immer weiterentwickelt. 1879 zogen Garten und Botanisches Institut um. Das alte Gelände musste Stadterweitungsmaßnahmen Platz machen, außerdem genügte die Größe des Geländes nicht mehr den Anforderungen an Forschung und Lehre. 1910 fanden die Kompetenzstreitigkeiten zwischen Medizinern und Philosophischer Fakultät in Bezug auf den Botanischen Garten ein Ende. Mit der Einrichtung einer eigenständigen Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät fand auch die Botanik endlich ihren Platz. 1914 erfolgte erneut ein Umzug und damit die Neuanlage des Gartens. Dieser unterschied sich in seiner wissenschaftlichen Konzeption wesentlich von seinen Vorgängern. Der Fokus richtete sich auf eine pflanzengeographische Anordnung, so wie sie erstmals von Alexander von Humboldt (1769-1859) beschrieben wurde.
Der Genetiker und Zytogenetiker Friedrich Oehlkers (1890-1971) leitete den Garten ab 1932. Auf seine Initiative hin wurden seltene Gehölze angepflanzt. Zudem besserte er die durch den Zweiten Weltkrieg verursachten Schäden wieder aus. Diese Arbeiten waren 1955 abgeschlossen. Unter der Leitung von Hans Mohr (*1930) wurde der Garten erweitert. 1969 übernahm Dieter Vogellehner (1937-2002) das Direktorat des Gartens. In seiner Amtszeit erhielt der Botanische Garten sein heutiges Aussehen. Seit 2002 steht der Botanische Garten Freiburg unter der Leitung von Thomas Speck (geb. 1957).

Wagner, 2007 
  
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