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Abguss-Sammlung antiker Skulptur des Antikenmuseums der Universität Leipzig

Allgemein
BezeichnungAbguss-Sammlung antiker Skulptur des Antikenmuseums der Universität Leipzig
UniversitätUniversität Leipzig
UniversitätsortLeipzig
Museums- und SammlungsartGeschichte & Archäologie
Museums- und SammlungsformLehr- und Forschungssammlung
SammlungsschwerpunktArchäologie · Klassische Altertumswissenschaft · Klassische Archäologie · Kunst · Kunstgeschichte
Externe Links
AdresseVerwaltung:
Institut für Klassische Archäologie und Antikenmuseum der Universität Leipzig
Ritterstraße 14
04109 Leipzig
ÖffnungszeitenZu Forschungszwecken nach Voranmeldung 
Kontaktklarch@rz.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain (Direktor)
cain@rz.uni-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 97 30 702
Telefon: +49 (0) 341 97 30 700
Fax: +49 (0) 341 97 30 709

Dr. Hans-Peter Müller (Kustos)
pmueller@rz.uni-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 97 30 702
Fax: +49 (0) 341 97 30 709
BeschreibungDie Gipsabguss-Sammlung des Antikenmuseums der Universität Leipzig umfasst derzeit über 700 Gipsabgüsse griechischer und römischer Statuen, Statuetten und Reliefarbeiten aus allen bedeutenden Antikenmuseen der Welt. Bis zu ihrer weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gehörte sie zu den größten und bedeutendsten Sammlungen dieser Art in Deutschland. Der Bestand zählte damals um die 3000 Inventarstücke.

Der Verlust der Ausstellungsräume durch die politisch motivierte Sprengung des Universitätshauptgebäudes im Jahre 1968 und die anschließende, Jahrzehnte währende Notunterbringung führten zu hohen Verlusten und schweren, teils irreparablen Schäden. Nach dem Bezug eines neuen Depots begann 1999 der kontinuierliche Wiederaufbau der Gipsabguss-Sammlung. Für Lehre und Forschung am Institut für Klassische Archäologie sind die historischen Gipsabgüsse von unschätzbarem Wert und bilden zugleich eine wichtige Ergänzung zur Originalsammlung des Antikenmuseums. 
SonstigesVerkauf von Repliken 
Stand der InformationenApril 2013
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungKomplette digitale Aufnahme der Bestände in einer Bilddatenbank in Bearbeitung; Vernetzung mit ARACHNE (zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln) 
Bedeutende Teilbestände
  • Sammlungsbestand aus der Ära Johannes Overbeck (1826-1895): während des Zweiten Weltkrieges größtenteils zerstört
  • Sammlungsbestand aus der Ära Franz Studniczka (1860-1929): während des Zweiten Weltkrieges größtenteils zerstört
  • Rekonstruktionen antiker Skulpturen anhand von Gipsabgüssen: unter Franz Studniczka (1860-1929) Artemis-Iphigenie-Gruppe; unter Bernhard Schweitzer (1880-1962) sog. Pasquino-Gruppe
  • Rekonstruktion der Polychromie antiker Skulpturen anhand von Gipsabgüssen: unter Franz Studniczka (1860-1926) Rekonstruktion des Menander-Porträts
  • Daktyliotheken
  • Abdrücke von Gemmen und Kameen
  
Geschichte
Ereignisse
  • Zwischen 1837 und 1840 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteDas 1840 als Lehr- und Studiensammlung gegründete Antikenmuseum der Universität Leipzig zählt zu den größten und bedeutenden Einrichtungen seiner Art in Deutschland. Sein heutiger Bestand umfasst neben Originalwerken antiker Klein- und Gebrauchskunst mit Schwerpunkt auf der griechischen Keramik eine umfangreiche Sammlung von historischen Gipsabgüssen antiker Skulpturen und Reliefs des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Ihre Anfänge gehen in das 19. Jahrhundert zurück, als mit der Gründung einer „Antiquarischen Gesellschaft“ im Jahre 1834 die Institutionalisierung der Klassischen Archäologie als akademisches Lehrfach in Leipzig eingeleitet wurde. Damals konnte die Universität bereits auf eine fast einhundertjährige Tradition archäologischer Lehrtätigkeit zurückblicken. Woran es aber immer noch fehlte, war eine dem akademischen Unterricht dienende Lehr- und Studiensammlung. Der Philologe Johann Gottfried Hermann (1772-1848) forderte daher 1836 in einem Fakultätsbericht, dass an eine Weiterführung der Archäologie in Leipzig kaum zu denken sei, wenn nicht in den Vorlesungen „zugleich sowohl Abbildungen, als Abgüsse von Antiken und wirkliche Antiken vorgezeigt würden“. Der Sächsische Landtag folgte der Empfehlung Hermanns und stellte dem außerordentlichen Professor der Klassischen Archäologie Wilhelm Adolf Becker (1796-1846) die Mittel für die Anschaffung archäologischer Objekte bereit. Zu Beginn des Jahres 1840 trafen die ersten dreizehn großformatigen Gipsabgüsse in Leipzig ein. Weitere folgten unter Beckers Nachfolger Otto Jahn (1813-1869), sodass nach der Mitte des 19. Jahrhunderts der Grundstock einer soliden, sich ständig erweiternden Gipsabguss-Sammlung gelegt war.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts widmete sich Johannes Overbeck (1826-1895) fast ausschließlich der Vervollständigung der Gipsabguss-Sammlung, wobei sein selbst erklärtes Ziel die „Herstellung einer möglichst vollständigen Reihenfolge kunstgeschichtlich charakteristischer, namentlich aber datierbarer Monumente“ war. Von der aufstrebenden Universität und den Bürgern der Messestadt Leipzig mitgetragen, gelang es ihm binnen weniger Jahrzehnte, ein repräsentatives, am Ende des Jahrhunderts auf rund achthundertfünfzig Inventarnummern angewachsenes monumentales Gipsabguss-Museum aufzubauen, das auch in Fachkreisen außerhalb Deutschlands hohe Anerkennung genoss.

Ihren Höhepunkt als Instrument für Lehre und Forschung erreichte die Gipsabguss-Sammlung unter Franz Studniczka (1860-1929), der sie insbesondere um Denkmäler der antiken Bildniskunst, der römischen Skulptur und der archaischen Plastik Griechenlands bereicherte. Die in ihrer Blütezeit rund 3.000 Inventarnummern zählende Sammlung war bis zum Zweiten Weltkrieg ein Kleinod der Universität. Seit 1896 im Johanneum, dem Südflügel des von Arwed Roßbach (1844–1902) umgestalteten Universitätshauptgebäudes in mehreren großartigen Ausstellungssälen untergebracht, stand sie nicht nur Studierenden und Wissenschaftlern, sondern auch einer breiteren, an Bildung und am Kunstgenuss interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Obwohl das Antikenmuseum unter Studniczka durch den Erwerb bedeutender Originalwerke über seinen ursprünglichen Charakter als akademische Lehr- und Studiensammlung hinausgewachsen war, dominierten in den Schauräumen nach wie vor die Gipsabgüsse. Von den rund 900 Originalen, die sich um 1909 in Sammlungsbesitz befanden, waren nur die besten Marmorwerke ausgestellt. Die meisten Vasen, Terrakotten und Kleinbronzen blieben magaziniert und wurden nur für Lehre und Forschung hervorgeholt. Neu war aber, dass Studniczka die Originale nicht grundsätzlich von den Gipsabgüssen trennte wie noch wie sein Vorgänger Overbeck, sondern in Glasschränken und Schaupulten zu kleineren Gruppen zusammengefasst möglichst in der Nähe von Gipsabgüssen derselben Zeitstufe einfügte. Gegen die damals aufkommenden Bedenken, Originale neben Gipsabgüssen auszustellen, stellte er die didaktischen Vorteile bestmöglicher kunstgeschichtlicher Belehrung.

Nach dem Vorbild des Dresdener Albertinums richtete Studniczka am Museum eine Werkstatt ein, in der anhand von Gipsabgüssen fragmentarisch erhaltener antiker Marmor- und Bronzewerke Ergänzungsvorschläge erarbeitet wurden. Seine Wiederherstellung der Kopenhagener Artemis-Iphigenie-Gruppe und die in kaum einer Geschichte der griechischen Kunst als Abbildung fehlende Rekonstruktion der sogenannten Pasquino-Gruppe durch Bernhard Schweitzer (1880-1962) zählen zu den herausragenden Leistungen.

Diese einzigartige Zusammenstellung repräsentativer Beispiele von Meisterwerken antiker Kunst ging im Dezember 1943 infolge eines Bombenangriffes fast vollständig zugrunde. Die rund 600 Gipse, die das Inferno überstanden, ließ Herbert Koch (1880-1962) bei der Reorganisation des Museums im Oberlichtsaal zu einer instruktiven Lehrsammlung zusammenstellen und anlässlich der Leipziger Winckelmannsfeier im Dezember 1955 der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Die Existenz dieser kleinen, an bedeutenden Werken aber immer noch reichen Lehr- und Schausammlung währte nur kurz. Durch den barbarischen Akt der Sprengung des Universitätskomplexes im Jahre 1968 ihrer Ausstellungsräume beraubt, verschwanden die Gipsabgüsse für mehrere Jahrzehnte in einem ehemaligen, notdürftig als Magazin vorgerichteten Kohlebunker, in dem sie auf knappstem Raum eingeengt ein unwürdiges Schattendasein fristeten.

Erst nach der Friedlichen Revolution von 1989/90 konnte ein neues Kapitel in der Geschichte des Leipziger Antikenmuseums aufgeschlagen werden. Im Jahre 1994 erlebte es im historischen Gebäude der Alten Nikolaischule mit neuen Schauräumen für eine repräsentative Auswahl griechischer, etruskischer und römischer Originalwerke seine Wiedergeburt. Die immer noch in dem Kohlebunker eingelagerten Gipsabgüsse drohten hingegen durch wiederholte Wassereinbrüche völlig zu verfallen. Aufgrund ihres großen historischen Wertes und ihrer besonderen Bedeutung für Lehre und Forschung handelte die Universität rasch und stellte Anfang 1999 neue Depoträume zur Verfügung. Seit dieser Zeit steht für die Gipsabguss-Sammlung auch ein kleiner, mit dem Institut verbundener Studiensaal zur Verfügung, in dem die Studierenden an ausgewählten Gipsabgüssen lernen können. Dessen „Schaufenstergalerie“ mit wechselnden Objekten lässt nicht zuletzt auch die Öffentlichkeit wieder am reichen Bestand der Leipziger Gipsabguss-Sammlung teilhaben.

An ihrem neuen Standort werden die Gipsabgüsse sukzessiv wieder instand gesetzt, um das Studium der Klassischen Archäologie auf eine neue, gewinnbringende Grundlage zu stellen. Bereits jetzt schon kann ein großer Teil von ihnen für Sonderausstellungen und Lehrveranstaltungen genutzt werden. Unter den wichtigsten, bereits restaurierten Gipsabgüssen sind vor allem die sogenannte Galliergruppe Ludovisi und die durch Franz Studniczka rekonstruierte Artemis-Iphigenie-Gruppe hervorzuheben. Neuerwerbungen durch Ankauf oder Tausch dienen nicht nur zur Schließung von Lücken im Bestand, sondern auch zur Bildung von Replikenreihen, die didaktisch besonders wertvoll sind.

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