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Ägyptisches Museum - Georg Steindorff - der Universität Leipzig

Allgemein
BezeichnungÄgyptisches Museum - Georg Steindorff - der Universität Leipzig
UniversitätUniversität Leipzig
UniversitätsortLeipzig
Museums- und SammlungsartGeschichte & Archäologie
Museums- und SammlungsformMuseum
SammlungsschwerpunktÄgyptologie · Archäologie · Kulturgeschichte
Externe Links
AdresseUniversität Leipzig
Ägyptisches Museum
Krochhochhaus
Goethestraße 2
04109 Leipzig
ÖffnungszeitenDi - Fr 13 - 17 Uhr Sa - So, Feiertag 10 - 17 Uhr
KontaktDr. Dietrich Raue (Kustos)
dietrich.raue@uni-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 973 70 13
Prof. Dr. Hans Werner Fischer-Elfert (Geschäftsführender Direktor)
fischere@rz.uni-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 973 70 11
BeschreibungDas Institut für Ägyptologie der Universität Leipzig besitzt eine umfangreiche Sammlung, die im Ägyptischen Museum präsentiert wird. Der Bestand setzt sich zu einem überwiegenden Teil aus Grabungen des Instituts zusammen. Weitere Teile wurden angekauft oder kamen auf anderen Wegen in die Sammlung, die immer noch erweitert wird.

Das Museum ist in Schwerpunktabschnitte geteilt. So bilden Zeugnisse der vordynastischen Kulturen Ägyptens (4000-2982 v. Chr.) den zeitlichen Einstand. Es finden sich Grabbeigaben, Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein sowie Keulenköpfe aus Hartgesteinen. Weiter sind Schminktafeln zum Zerreiben der Augenschminke und Amulette aus Tonschiefer zu sehen. In Vitrinen sind die wichtigsten Beispiele ägyptischer Töpferei der Epoche ausgestellt.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt bilden Objekte aus dem Alten Reich (2657-2120 v. Chr.). Dies ist die Epoche der Festigung des Einheitsstaates und die Zeit der großen Pyramidenerbauer. Neben den Werken der Kleinkunst gilt die Aufmerksamkeit hier einer Gruppe schöner Plastiken. Sie galten nicht als Kunstwerke, sondern als unentbehrliche Abbilder, die der Weiterexistenz des Menschen nach dem Tode dienten.

Die Gruppe der Stücke aus dem Mittleren Reich (2020-1645 v. Chr.), der klassischen Periode ägyptischer Geschichte, zeigt u.a. die fast vollständige Grabausstattung des Priesters Herischef-hotep. Dazu gehörten z. B. der mit Geräten und magischen Inschriften bemalte Holzsarg und verschiedene Bootsmodelle.

Das vierte Thema bilden die Ausstellungsstücke des Neuen Reiches (1536-1069 v. Chr.), der Zeit der größten Machtentfaltung und weitesten räumlichen Ausdehnung Ägyptens. Aus dieser Zeit besitzt das Museum eine Auswahl wichtiger Objektgattungen, darunter mehrere schöne Reliefs und eine Reihe von Ostraka. Besondere Kleinodien enthält die Zusammenstellung eines Grabfundes des Neuen Reichs aus Aniba, zu dem auch zwei bronzene Gefäßständer gehören.

Den letzten Schwerpunkt bilden Denkmäler aus der Spätzeit (713-332 v. Chr.), der griechisch-römischen Zeit (332 v. Chr.-395 n. Chr.) sowie der christlichen Zeit (395-640 n. Chr.).
Dabei gilt besonderer Aufmerksamkeit dem großen Zedernholzsarg des Hed-Bast-iru. Die ungewöhnlich schöne und reiche Arbeit ist bedeckt mit in zartem Relief geschnittenen Figuren und magischen Inschriften. Ferner sind bronzene Götterfiguren ausgestellt, die den Tempeln in der Spätzeit in großer Zahl als Weihgaben von Privatpersonen gestiftet wurden. Letztendlich ist noch ein Fries aus christlicher (koptischer) Zeit erwähnenswert. Es bildet den Ausklang der alten Hochkultur am Nil.

Website der Sammlung 
Stand der InformationenJuni 2010
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungDigitale Erfassung der Objekte in einer Datenbank 
Bedeutende Teilbestände
  • Zedernholzsarg des Hed-Bast-iru
  • Sammlung Georg Steindorff
  • Sammlung originaler Kleinkunstwerke von der frühdynastischen bis zur ptolemäischen Zeit: ca. 100 Objekte; Ankauf 1987
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1870 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteDer Professor für Archäologie Gustav Seyffarth (1792-1885) kaufte mit Mitteln des sächsischen Kultusministerium einen Sarkophag, der 1942 in der Antikensammlung der Leipziger Universität eintraf. Diese beherbergte bisher nur Werke griechischer und römischer Kunst, vorwiegend in Gipsabgüssen. Er sollte der Grundstock des späteren Ägyptischen Museums bilden, zu dessen Glanzstücken er bis heute gehört.

Auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Ägyptologie an der Universität Leipzig wurde 1870 der Sprachwissenschaftler Georg Ebers (1837-1898) berufen. Mit dem Umzug in eigene Räume für Sammlung, Lehrveranstaltungen und Direktorium in einen Flügel des Universitätshauptgebäudes etablierte sich 1874 der "Aegyptologische Apparat" als selbständige Einrichtung. Im Jahr 1889 ließ sich Ebers in den Ruhestand versetzen. Als Nachfolger wurde 1893 Georg Steindorff (1861-1951) berufen. Durch ihn sollte die Ägyptische Sammlung ihre wesentliche Prägung erhalten. Er baute die kleine Lehrsammlung zu einem veritablen Museum aus. Das geschah zunächst auf Forschungsreisen nach Ägypten, wo er Gegenstände des Haus- und Grabgebrauchs, aber auch Kunstwerke kleineren Formats erwarb oder an Ort und Stelle freilegen ließ. Mit der Erlaubnis des damals von Franzosen verwalteten Antikendienstes ließ er die Objekte nach Deutschland überführen (z.B. den Kalksteinkopf der Königin Nofretete).

Nach seiner Emeritierung 1934 lebte Steindorff, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft unter der nationalsozialistischen Diktatur zu leiden hatte, noch vier Jahre in Leipzig, ehe er 1939 in die USA emigrieren musste. Steindorffs ehemaliger Assistent Walther Wolf (1900-1973), der nach Steindorffs Ausscheiden die Museumsarbeit und Lehre fortgesetzt hatte, wurde 1939 auf den Leipziger Lehrstuhl berufen. Durch seine Einberufung zum Militär im gleichen Jahr mussten seine Aufgaben von Vertretungen wahrgenommen werden, der Lehrbetrieb konnte nur reduziert fortgesetzt werden. Die Institutsräume und ein Teil der nicht ausgelagerten Museumsbestände wurden bei einem Bombenangriff zerstört.

Ein Teil der ausgelagerten Museumsobjekte, deren gesamter Bestand nach dem Krieg in die Sowjetunion gebracht wurde, traf 1951 wieder in Leipzig ein. Der Rest des Museumsbesitzes wurde später wieder zurückgegeben.

Im Jahre 1976 erfolgte die Wiedereröffnung des Museums, das rasch einen festen Platz im kulturellen Leben Leipzigs einnahm und zu einem Schaufenster der Universität wurde.
1987 gelang es sogar circa 100 originale Kleinkunstwerke von der frühdynastischen bis zur ptolemäischen Zeit für das Museum zu erwerben.
Nach 1989 konnten mit Universitätsmitteln und Zuwendungen von außen die Arbeitsinstrumente für Restaurierung und Dokumentation sowie die Bibliothek modernisiert werden.

Im August 2007 begann der Umbau des Kroch-Hochhaus, dem ersten Hochhaus in Leipzig, der Ende 2009 abgeschlossen war. Seit Ende Juni 2010 residiert das Museum in diesem Gebäude und zeigt auf den unteren drei Etagen des Hauses seine Sammlungen.

Website des Museums 
  
Publikationen
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