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Modell des Tarnowitzer Bleiofens

Allgemein
TitelModell des Tarnowitzer Bleiofens
Einzelmodell/ Gruppe/ ReiheEinzelmodell
ModellartModelle von Bauwerken und baulichen / technischen Anlagen
Stand der InformationenNovember 2010
  
Formale Beschreibung
MaßstabVerkleinerung 1:12
Maße (Breite x Höhe x Tiefe)77 x 28,5 x 51 cm
MaterialHolz · Metall
HerstellungstechnikHandarbeit
Einzel-/ MehrfachanfertigungEinzelfertigung
Statisch/BeweglichStatisch
ZerlegbarkeitZerlegbar
  
Inhaltliche Beschreibung
DisziplinMetallurgie · Technikgeschichte
VerwendungszweckLehrobjekt
Herstellungsjahrum 1862 oder später
Herstellung/Vertrieb
Weitere InformationenAuf einem zweistufigen schwarzen Sockel steht ein länglicher, zur linken Seite hin abfallender Ofen mit rechteckigem Grundriss. Die Ofenseiten sind schwarz gefasst, die Oberseite weist ein rotes Mauerwerk auf. Die Wände sind rundum mit schwarzen Mauerankern aus Metall versehen.

Auf der Modelloberseite befindet sich ein schwarzer Metalltrichter, darunter eine Öffnung in der Ofendecke. Die rechte Ofenseite ist in der unteren Hälfte ohne Öffnungen. An der linken Seite befindet sich der Rauchgaskanalanschluss. Vorder- und Rückseite des Modells sind von jeweils zwei Arbeitsöffnungen zum Feuerungsraum sowie jeweils vier Arbeitsöffnungen zum Herdraum durchbrochen. Zwischen beiden Bereichen befinden sich beidseitig die kleinen Mündungen des Kanals zur Feuerbrücke. Die Vorderseite ist zudem mit einer ebenerdigen Nische, die einen mit einem Deckel verschließbaren Durchbruch in den Herdraum aufweist, versehen. Links auf dieser Seite befindet sich die Stichöffnung mit einem vorgelagerten Herd. Dieser Stichherd kann als separates Modellteil vom Sockel genommen werden. Auch die Ofendecke ist teilbar und gibt den Blick auf das Ofeninnere frei. Zwei Deckenteile rechts und links des Rauchgaskanals bleiben dabei zurück und können separat abgenommen werden.

Das Ofeninnere ist mit weißem Mauerwerk bemalt. Der Feuerungsraum enthält ein schwarzes Holzrost. Nach der erhöhten Feuerbrücke fällt der Herdboden muldenförmig zur Stichöffnung hin ab. Durch das Abnehmen des hinteren Teils vom Herdboden wird auch die innere Mauerwerksstruktur des Ofens erkennbar.

Text nach Wobbe 2009 
Publikationen
  
Bezugsgegenstand
BezugsgegenstandTarnowitzer Bleiofen - Treibeofen (Metallverhüttung - Bleiarbeit)
Typ des BauwerksWirtschaftsanlage
KontinentEuropa
Ort/RegionSachsen
Bau- und Entstehungszeit2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
WirtschaftssektorVerarbeitendes Gewerbe
FunktionGewerblich
Bezugsgegenstand
Beschreibung
Beim Tarnowitzer Verfahren erfolgte das Ausschmelzen von Werkblei zweistufig aus stückigem Erz und Schlich. Bei geringen Temperaturen und unter Luftzufuhr wurde das durch eine Deckenöffnung beschickte Erz im Tarnowitzer Bleiofen, einem Flammofen, etwa 4 Stunden unter Wenden geröstet. Dabei sammelte sich bereits geringfügig ausgeschmolzenes Blei im sogenannten Sumpf und konnte in den vorgelagerten Herd abgestochen werden.

Dieser Röstperiode zur teilweisen Oxidation des Bleisulfids folgte bei geschlossenen Arbeitstüren und verstärkter Feuerung die sogenannte Reaktionsperiode unter Sauerstoffabschluss. Sie dauerte etwa sieben Stunden. Dabei setzten sich Bleisulfide und Bleioxide zu weiterem Werkblei um, welches wiederum abgestochen werden konnte. Die dabei entstehenden schwefligen Gase entwichen durch den Fuchs in angeschlossene Flugstaubkanäle oder -kammern.

Mit dem Tarnowitzer Verfahren verhütteten die verarbeitenden Betriebe große Mengen Erz unter nur geringem Brennstoffverbrauch. Allerdings brannte dabei nur 50 bis 60 Prozent des Bleis aus. Die verbliebenen Rückstände zogen Arbeiter über einen Kanal an der Herdseite in einen darunter bereitstehenden Tiegel und verhüttete diese in einer zweiten Verfahrensstufe in Pilz‘schen Rundschachtöfen nochmals.

Text nach Wobbe 2009 
  
Bestandsnachweis
Modellsammlung, Technische Universität Bergakademie Freiberg · Details
SammlungModellsammlung, Technische Universität Bergakademie Freiberg
Aktueller StandortMittelbau - DG06
Restauratorischer bzw.
Konservatorischer Zustand
gut
SonstigesDie Beschriftung auf dem Holzschild ist teilweise nicht mehr lesbar. Ergänzungsvorschläge, die aufgrund eines Vergleichs mit dem Holzschild des Modells der Schwefelsäurefabrikations-Anlage nach dem Kontaktverfahren von Winkler vorgenommen wurden, sind daher in eckige Klammern gesetzt.

So lautet die Beschriftung auf der Vorderseite des Modells: „Tarnowitzer Blei-Ofen. 1:12 d. n. Gr. [Gefertigt in der Modellwerkstatt?] der Königl. Bergakademie zu Freiberg [, Sachsen?]. [Braun?] Modelleur.“ (Holzschild).

Der Farbauftrag des Modells ist teilweise schadhaft. Vor allem im Herdinnenraum, in der Nähe der Stichöffnung, und an den Fügestellen der einzelnen Modellteile zeigt sich das deutlich. Der Sockel ist zum Teil stark bestoßen.